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Alles für mein Tier 05/17

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Polizeidiensthundeführer mit Suchtmittelspürhunden LEBENS - RETTER TlER KOMMlSSARE AUF VlER PFOTEN Tierische Freunde und Helfer, täglich im Einsatz: Polizeidiensthunde sind Spezialisten mit dem richtigen Riecher. S ie erschnüffeln Suchtmittel, Sprengstoffe, Waffen und Schmuggelware, spüren Vermisste, manchmal Tote, aber auch Kriminelle auf: Die Einsatzbereiche für Hunde bei der Polizei sind vielfältig. Chefinspektor Josef Schützenhofer leitet eine der beiden Dienststellen des Bundesausbildungszentrums für Polizeidiensthundeführer in Österreich. In Bad Kreuzen, Oberösterreich, finden die mehrwöchigen Grund- und Spezialausbildungen von Polizeidiensthundeführern der westlichen und südlichen Bundesländer statt. In Wien-Strebersdorf werden die polizeilichen Mensch-Hund-Gespanne aus Ostösterreich ausgebildet. 22 Tierische Kollegen im Polizeidienst „Jeder in Österreich eingesetzte Polizeidiensthund muss in einem unserer Ausbildungsstandorte seine Ausbildung positiv absolvieren“, erklärt Josef Schützenhofer. Mensch und Tier werden hier nach den neuesten pädagogischen und tierpsychologischen Methoden auf ihre Tätigkeit vorbereitet. „Grundsätzlich werden für den Polizeidienst sogenannte ,Gebrauchshunderassen‘ verwendet, das sind Belgische, Holländische und Deutsche Schäferhunde, Riesenschnauzer und Rottweiler“, erzählt Schützenhofer. Die angehenden Kommissare mit der kalten Schnauze müssen kerngesund sein – amtlich bestätigt durch einen Vertragstierarzt –, die rassetypischen Merkmale aufweisen und vor allem Nervenstärke zeigen, denn die Einsätze im täglichen Dienst bedeuten großen Stress. Bilder: © Vector.com/Shutterstock.com, LPD OÖ Bruno Guttmann

MENSCH & TIER | LEBENSRETTER Auch die Zweibeiner sind gefordert: Angehende Hundeführer müssen über eine zweijährige Erfahrung im Außendienst verfügen, volle Exekutivdiensttauglichkeit aufweisen und außerdem dazu bereit und in der Lage sein, den Diensthund in das private Umfeld zu integrieren und ihm ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Berufsanforderung: Die richtige Nase haben Gleich wie bei den Lawinensuchhunden (Fressnapf berichtete), bilden auch hier das Wunderwerk Hundenase sowie der exzellente Gehörsinn der Tiere die Grundlage für den Einsatz im Dienste des Menschen. Mittels 200 bis 250 Millionen Riechzellen und spezieller Gaumenrezeptoren, mit denen die Hunde Gerüche sogar „schmecken“ können, sind die vierbeinigen Polizisten in der Lage, einzelne Duftkomponenten zu unterscheiden und sogar Richtung und Alter einer Spur zu erkennen. Und dieser außergewöhnliche Spürsinn ist bei der Polizeiarbeit sehr gefragt. Auch im Personenund Objektschutz verrichten die Vierbeiner ihren Dienst. Zwei Ausbildungsstufen „Die Ausbildung zum Polizeidiensthund gliedert sich in eine Grund- und eine Spezialausbildung. Die Grundausbildung besteht aus Unterordnung, Fährtenausbildung, Schutzarbeit sowie dem Stöbern nach Gegenständen und Personen. Je nach Veranlagung des Hundes und Bedarf werden die Tiere nach positiv abgeschlossener Grundausbildung in einem der Spezialbereiche ausgebildet“, erklärt Josef Schützenhofer. Diese sind: Suche nach Suchtmitteln oder Drogen; Sprengmitteln, Explosivstoffen, Waffen und Munition; Brandbeschleunigern; Bargeld und Dokumenten; Personen nach deren Individualgeruch sowie nach menschlichen Leichen(-teilen) und menschlichem Blut. Die Lehrgänge dauern jeweils acht bis zehn Wochen. Polizeidiensthunde müssen lernen und arbeiten Nachbars Bello kann nicht einfach Polizeidiensthund werden, denn die Tiere werden von erfahrenen Mitarbeitern des Bundesausbildungszentrums sorgfältig bei in- und ausländischen Züchtern im Welpenalter ausgewählt. Die Grundausbildung findet in drei „Junghundemodulen“ im Alter von sechs, 14 und 20 Monaten statt und wird mit einer Abschlussprüfung – übrigens auch für das Herrchen – abgeschlossen. Die Hunde werden in einem Dualsystem ausgebildet, das bedeutet, dass jeder die Ausbildung zum Schutz- und zum Stöberhund durchlaufen muss. „Unser Ziel ist es, die Hunde mit ca. 24 Monaten in der Grundausbildung zu zertifizieren und danach in einer der Sparten weiter auszubilden. Wer sich für diesen wunderbaren Beruf entscheidet, muss sich bewusst sein, dass er sich täglich mit seinem vierbeinigen Kollegen gezielt nach den Vorgaben der Bundes- bzw. Landesausbilder beschäftigen muss“, fasst Schützenhofer zusammen. Dienst ist Dienst, Stöckchen ist Stöckchen – einen Polizeidiensthund nimmt man nicht einfach nur mit in die Arbeit, sondern man verrichtet seinen Dienst mit ihm zusammen. Umgang mit Stress Polizeidiensthundeführer und -hunde sind – je nach Spezialisierung – häufig mit sehr belastenden Stresssituationen konfrontiert. Nach solchen Einsätzen kann es notwendig sein, das Erlebte aufzuarbeiten. Den Hundeführern stehen hier die Experten des polizeieigenen Psychologischen Dienstes zur Verfügung. Bei sehr belastenden Einsätzen mit Diensthunden ist es sogar erforderlich, in sogenannten Regenerations-Trainingseinheiten den Hund wieder auf ein „normales“ Level zu bringen. Übrigens gehen auch die vierbeinigen Kommissare mal in Pension, etwa im Alter von zehn Jahren, sofern ein Hund nicht schon früher, zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung oder anderer Einschränkungen, aus dem aktiven Dienst ausscheiden muss. Keine Sorge, der pensionierte Polizeidiensthund darf sich freuen: „Er wird in die Obhut des Hundeführers gegeben, welcher seinem vierbeinigen Kollegen noch einen schönen Lebensabend beschert“, beruhigt Josef Schützenhofer. Ein Hund zum Streicheln? Wer sich jetzt fragt, ob man diese tierischen DlE HUNDEFÜHRER BESCHÄFTlGEN SlCH MlT lHREM HUND TÄGLlCH NACH DEN VORGABEN DER BUNDES- UND LANDESAUSBlLDER. Kommissare auch streicheln darf, holt sich am besten vorher das Einverständnis bei dem Hundeführer: „Es gibt bei uns kein generelles Verbot, Hunde von fremden Personen angreifen oder streicheln zu lassen. Unsere Erziehung und Ausbildung zielt darauf ab, einen Diensthund mit hoher Sozialkompetenz zu formen. Das heißt, jeder einzelne Hundeführer hat für sich und seinen Vierbeiner zu entscheiden, ob derartige Streicheleinheiten möglicherweise für die fremde Person oder aber auch für zukünftige dienstliche Einsätze negativ sein könnten. Bei aller Liebe zu unseren Vierbeinern muss man jedoch in Betracht ziehen, dass sie ein im Waffengebrauchsgesetz verankertes polizeiliches Einsatzmittel darstellen“, gibt Josef Schützenhofer zu bedenken. In Österreich gibt es ca. 380 Polizeidiensthundeführer, täglich sind sie gemeinsam mit ihren tierischen Kollegen bis zu 460 Mal im Einsatz. Rechnet man die Amtshandlungen mit Hund in allen Sparten auf das Jahr auf, kommt man auf über 150.000 Einsätze. Bei Wettbewerbsveranstaltungen zeigen die Polizeihunde ihr Können. 23

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